Das Theater Basel hat im August 2019 einen Umschulungsfonds gegründet und unterstützt Tänzer*innen nun auch finanziell. Wie kam es dazu?

Es war mir als Ballettdirektor am Theater Basel schon lange ein Wunsch und ein Bedürfnis, aktiv bei diesem Thema den Tänzer*innen Hilfe leisten zu können. Wir haben hier in Basel grosses Glück, dass das Personalwesen und die kaufmännische Direktion des Theater Basel für dieses Anliegen nicht nur Verständnis zeigt, sondern dass es ermöglicht wurde, seit dieser Spielzeit von jeder verkauften Eintrittskarte bei Ballettvorstellungen ein Betrag von CHF 0.50 in einen eigens zu diesem Zweck gegründeten Fonds einfliessen zu lassen. Zusätzlich werden wir natürlich noch Sponsoren und Gönner für dieses Anliegen sensibilisieren. So können Tänzer*innen, die mindestens vier Jahre am Haus engagiert waren und das dreissigste Lebensjahr überschritten haben, von dieser Zuwendung profitieren. Wir sind sehr stolz und dankbar, dass das Theater Basel beim Thema Umschulung für Ensemblemitglieder des Balletts so eine Vorreiterrolle spielt.

Wo siehst Du die Herausforderungen bei den Tänzer*innen bei ihrer beruflichen Transition?

Die erste grosse Herausforderung ist das Bewusstsein der Tänzer*innen. Wir sind mit einer solch enormen Begeisterung und Leidenschaft in unserem Beruf tätig, dass die Gedanken an ein Berufsleben nach dem Tanz oft verdrängt werden. Ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, dass es sich lohnt, sich frühzeitig mit realistischen Möglichkeiten zu beschäftigen und sich zu informieren, und gegebenenfalls auch schon erste kleine Schritte in eine neue Richtung zu machen – zum Beispiel indem man sich mit spezifischer Literatur zu einem Thema eindeckt – ist sicher ein Punkt, der bei Tänzer*innen noch klarer ins Bewusstsein rücken müsste.

Aber natürlich ist es auch wichtig, den jungen Kolleg*innen tatkräftig, das heisst mit Informationen und auch finanziell bei einer Umorientierung zu helfen. Deshalb hat das Theater Basel nun einen Fonds eröffnet, der die Tänzer*innen bei Umschulungen ganz konkret unterstützt.

Wie unterstützt das Transition-Center SSDUK die Tänzer*innen bei Umschulung?

Wir hatten bereits einige Workshops, die das Transition-Center anbietet, bei uns durchgeführt. Dadurch findet einerseits eine Sensibilisierung für das Thema statt. Andererseits gibt es auch ganz konkrete Informationen über Möglichkeiten, Realisierbarkeit und auch weitere konkrete Umschulungsfinanzierungen. Dazu wird in persönlichen eins-zu-eins Coachings die Hilfe zur Selbsthilfe aktiviert und es finden Kompetenzeinschätzungen statt. Nach meiner Erfahrung haben Tänzer*innen oft keine Ahnung, wie gut geschult sie in Bereichen wie Disziplin, Ausdauer und Teamfähigkeit sind. Dazu kommen Flexibilität und die Fähigkeit, sich global und in verschiedenen Sprachen zu verständigen.

Was ist der Mehrwert für die Tänzer*innen?

Es ist nie einfach, diesen wunderbaren Beruf aufzugeben oder aufgeben zu müssen. Deshalb finde ich es besonders wichtig, dass wir uns als Arbeitgeber für gelungene berufliche Transitionen bei unseren Tänzer*innen einsetzen. Ich halte das fast schon für eine moralische Verpflichtung. Der Mehrwert der Tänzer*innen ist, dass sie gelassener und besser vorbereitet diesen Schritt in Angriff nehmen können und weniger von Existenzängsten betroffen sind.

Als langjähriger Ballettdirektor an einem grossen Dreispartenhaus muss ich aber auch darauf hinweisen, dass die zahlreichen Tänzer*innen, die innerhalb des Hauses eine Umschulung absolviert haben und nun hier in anderen Abteilungen arbeiten, äusserst begehrte und beliebte Mitarbeitende sind. Ich würde sogar sagen: Es profitieren auch die Betriebe, die ehemalige Tänzer*innen umschulen und anstellen – und zwar enorm.

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